hermann valentin schmitt

Colours over the river chao phraya

Die Stadtteile von Bangkok sind entlang des Chao Phraya wie auf einer Perlenschnur aufgereiht. Hier oben vom 12. Stock aus in der Nähe der Rama-8- Brücke glänzt er heute wie pures Silber. Jetzt wird er heute morgen, in wunderbares rotes Licht getaucht. Dieses besonders helle Rot, das nur in diesem Moment im morgendlichen Nebel entsteht, brennt sich unwiderruflich in mein Gedächtnis ein.

“Man kann nicht zweimal in den selben Fluss steigen ... ”. Diese Erkenntnis des griechischen Philosophen Heraklit trifft auch für die Wahrnehmung von Farben von uns heute zu. Wir sehen nie zweimal dasselbe. Unser Gehirn nimmt immer nur Teile der Wirklichkeit wahr.

Alles was wir sehen, sind Mosaike eines nie endenden Ereignisflusses, der durch uns hindurch fließt, den wir wieder zusammensetzen und damit unsere eigene ganz persönliche Welt konstruieren. Wir Menschen haben die Eigenheit, Teile dieses Flusses der Wahrnehmungen aufzuhalten, festzuhalten, einzufangen, weil wir beeindruckt sind von der Ästhetik und wir diese selektive Erinnerung zur Orientierung brauchen. Wir nehmen mehr wahr als wir mit unserem Gehirn verarbeiten und behalten können. In unserer ganz persönlichen Auswahl liegt eine Beschränkung aber auch ein ungeheurer Vorteil, nämlich die Möglichkeit einer kreativen Synthese.

Die Welt aber fließt weiter wie der Chao Phraya. Unser Bewusstsein von Farben erhalten wir Menschen hauptsächlich durch die Lichtbrechung des Wassers, wenn wir in einen Fluss schauen oder durch die Lichtspektakel am Himmel, die uns jeden Morgen und jeden Abend beeindrucken. Das durch Wassertröpfchen in der Luft gebrochene Sonnenlicht lässt die Farbspektren aufleuchten. Es fesselt unsere Aufmerksamkeit, ist tief in unser kollektives Gedächtnis eingegraben. Es erzeugt ein inneres Bild in uns, das unsere Gefühle und Vorstellungen beeinflusst.

Dieses innere Bild mit seiner positiven Aesthetik sichtbar zu machen, nehme ich mir jedes Mal vor, wenn ich vor einer leeren Leinwand stehe, mich darüber beuge und beginne, mit Farben und Pigmenten darauf zu spielen, so lange, bis ich meine das innere Bild perfekt erzeugt zu haben.

 

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